Reformation

Stätten der Reformation im Thüringer Saaletal

"Niemals hätte ich es geglaubt, wenn ich es nicht gesehen hätte, daß hier so viel Unheil sei. Das Volk verachtet alles, was heilig ist (...)."
Dieses Zitat aus Philipp Melanchthons Bericht nach einer Kirchenvisitation in der Region im Saaletal um Kahla im Jahre 1536 beschreibt eine große Verbreitung von religiösem Gedankengut, was radikal über Luthers reformierte Kirche hinausging. Grund dafür war das Wirken von Andreas Rudolf Bodenstein, auch Karlstadt genannt.

 

Leuchtenburg
Prozesse gegen Andersdenkende

Malerisch hoch über dem Tal liegt die heute fast 800jährige Anlage, die zahlreiche Touristen in den Bann zieht. In den Folgejahren der Reformation wurden zahlreiche Prozesse gegen religiös Andersdenkende auf der Leuchtenburg geführt. Im Visier der Obrigkeit stand die Gruppe der Täufer (auch Wiedertäufer genannt), deren Name sich von ihrer Ablehnung der Kindertaufen und der dafür eingeführten Glaubenstaufe im Erwachsenenalter ableitet. Für die Verhöre auf der Leuchtenburg wurde im Fall des Gefangenen Hans Schleier kein Geringerer als Phillip Melanchthon persönlich hinzugezogen. Bis heute hat sich der Name des Häftlings in dem Turmnamen "Schleier" erhalten.

Mehr Informationen dazu erfahren Sie unter www.leuchtenburg.de

 

Schloss "Zur Fröhlichen Wiederkunft" Wolfersdorf
Wirkungsstätte des Großmütigen

Das Wasserschloss in Wolfersdorf, erbaut 1547-52, erweitert im Stile des Historismus 1858, ist ein kulturhistorisch und architektonisch bedeutsames Denkmal der Reformation, malerisch gelegen im idyllischen thüringischen Holzland, umgeben von Wald und Wasser.
Als Johann Friedrich I., der Großmütige von Sachsen, auch als Hanfried bekannt (1503-1554), welcher als Anführer des Schmalkaldischen Bundes die lutherische Lehre zum Fundament seiner Herrschaft bestimmte, nach Jahren der kaiserlichen Gefangenschaft - wohin ihn sein Einsatz für die Reformation gebracht hatte - gemeinsam mit seiner Gemahlin Sibylle von Kleve das Schloss das erste Mal betrat, war er so froh, an diesem "heiteren" Ort zu sein, dass er dem Schloss den Namen "Zur Fröhlichen Wiederkunft" gab.

Mehr Informationen dazu erfahren Sie unter www.schloss-wolfersdorf.de

 

Orlamünde
Karlstadt, Luther und die Orlamünder

500 Jahre ist es her, als Andreas Bodenstein von Karlstadt Pfarrer in Orlamünde war. Die Reformation, die er im Mittleren Saaletal durchführte, ging weit über die Gedanken Luthers hinaus. So wollte er, dass sich jede Gemeinde ihren Pfarrer selbst wählen darf, in der Kirche das Evangelium unverfälscht auf Deutsch gelehrt wird und darüber hinaus sollte jeder Christ erst dann getauft werden, wenn er reif genug ist, die Tiefe dieser Entscheidung zu überblicken. Luther kam daraufhin nach Orlamünde und wollte Karlstadt zur Ordnung rufen. Die schroffe Art Luthers stieß die Orlamünder zurück. Sie waren tief enttäuscht.

Lutherjahr 2017

Auf Karlstadts und Luthers Spuren durch Orlamünde - ein Stadtspaziergang

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Kahla
Johann Walter - Urkantor der evangelischen Kirche

In der wechselvollen Geschichte der Stadt Kahla findet sich auch ein kurzer Besuch des Reformators Martin Luther am 23. August im Jahre 1524. In der Zeit der Bilderstürmer versuchte er, wie tags zuvor in Jena, den Einfluss des radikalen Reformers Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, zurückzudrängen und die aufkommenden Unruhen einzudämmen.
Die offen mit Karlstadt sympathisierende Gemeinde soll Luther bei seinem Gang auf die Kanzel ein zerbrochenes Kruzefix in den Weg gelegt haben. Luther "übersah" die Provokation.
In Kahla, der Geburtsstadt von Luthers engem Freund und musikalischem Berater dem Komponisten Johann Walter, erinnert eine Gedenktafel an der Stadtkirche St. Margarethen noch heute an seine Predigt. Johann Walter wird als Urkantor der evangelischen Kirche  bezeichnet und gab das erste von Martin Luther autorisierte Gesangsbuch heraus.

Auf Luthers Spuren durch Kahla - Ein Stadtrundgang

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